Cookie Consent by TermsFeed

Home-Office Kosten in der Steuererklärung

2. März 2021

Bereits vor der Corona-Krise gab es einen Trend zu immer flexibleren Arbeitsmodellen, wobei immer mehr Arbeitnehmer teilweise im Home-Office arbeiten. Spätestens als der Bundesrat im Rahmen der Corona-Massnahmen das Arbeiten zuhause zuerst als Empfehlung und schliesslich als Pflicht verordnete, stellt sich für viele Arbeitnehmer die Frage, ob die Kosten für das private Arbeitszimmer, den Laptop oder das Internet steuerlich geltend gemacht werden können.

Einordnung im Steuergesetz

Der Begriff Home-Office wird im Steuergesetz nicht explizit erwähnt, die dabei entstandenen Kosten sind als Berufskosten (Art. 26 DBG bzw. Art. 9 StHG) einzuordnen. Auslagen für Berufswerkzeuge (inkl. EDV Hard-/Software) und ein privates Arbeitszimmer sind nach Berufskostenverordnung in den übrigen Berufskosten enthalten. Für die übrigen Berufskosten sieht das Gesetz eine Pauschale abhängig von der Höhe des Nettolohns vor. Steuerlich geltend gemacht werden können auf Bundesebene 3% des Nettolohns, mindestens CHF 2’000 und höchstens CHF 4’000 pro Jahr.

Waren die effektiven Kosten höher als die Pauschale, kann man diese bei entsprechendem Nachweis steuerlich geltend machen. Beispielsweise können die Kosten für Laptop/Monitore/Internet ebenfalls als Abzug geltend gemacht werden, sofern diese selber bezahlt und nicht vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wurden. Eine Kombination von Pauschale und effektiven Kosten ist nicht möglich.

Abzug für Arbeitszimmer

Die Voraussetzungen für die Geltendmachung von Kosten für ein privates Arbeitszimmer sind jedoch gemäss Praxis sehr streng. Folgende Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt werden:

  • regelmässige Tätigkeit zuhause
  • wesentlicher Teil der beruflichen Arbeit wird zuhause errichtet
  • Arbeitgeber stellt kein geeigneter Arbeitsplatz zur Verfügung
  • Ausscheidung eines Raumes in der Wohnung, welcher tatsächlich und hauptsächlich als Arbeitsplatz genutzt wird

Im Rahmen der Home-Office-Empfehlung des Bundesrates liessen die Arbeitgeber ihre Angestellten, die Arbeiten im Home-Office zu verrichten. Entsprechend stand für eine gewisse Zeitdauer kein Arbeitsplatz beim Arbeitgeber zur Verfügung. In vielen Fällen kann davon ausgegangen werden, dass unter diesen Umständen ein wesentlicher Teil der Arbeit regelmässig von zu Hause ausgeübt wird. Sollten die Arbeitnehmer zusätzlich über ein separates Arbeitszimmer verfügen, sind die Kriterien zur Geltendmachung der Home-Office-Kosten erfüllt.

Berechnungsbeispiel für Abzug eines privaten Arbeitszimmers bei einer 5.5-Zimmerwohnung mit Bruttomietzins CHF 36’000 / Jahr.

Bruttomiete CHF 36’000 / 7.5 Zimmer (5.5-Zimmerwohnung + 2 Nebenräume) x 1 Arbeitszimmer = steuerlicher Abzug CHF 4’800. Bei Wohneigentum erfolgt die Berechnung aufgrund des entsprechenden Eigenmietwertes. Wird das Arbeitszimmer nicht ausschliesslich für berufliche Zwecke verwendet, so ist für die private Nutzung in der Regel ein angemessener Privatanteil zu berücksichtigen.

Bei der Berechnung des Abzugs für ein Arbeitszimmer kann es von Kanton zu Kanton Unterschiede geben. Allen Kantonen ist jedoch gemein, dass bei der Geltendmachung effektiver Home-Office-Kosten die Pauschale für übrige Berufskosten nicht gleichzeitig beansprucht werden kann. Zusätzlich kürzen die Steuerbehörden die Fahrtkosten zum Büro sowie die Verpflegungskosten bei Home-Office entsprechend.

Smart-Working-Places

Schwieriger wird die Beurteilung, wenn der Arbeitgeber zwar Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, jedoch nicht für das gesamte Personal (Smart-Working-Konzepte). Im Urteil vom 31. Mai 2018 (BGer 2C_1033/2017) hat das Bundesgericht entschieden, dass wenn der Arbeitgeber für 80 Prozent des Personals einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, nicht ein erheblicher Teil der Arbeitsleistung im Home-Office erbracht wird und damit die Voraussetzungen für den Arbeitszimmerabzug steuerlich nicht gegeben sind.

Betriebsstättenrisiko

Wenn Mitarbeitende dauerhaft einen massgeblichen Anteil ihrer Arbeitszeit ausserhalb des Unternehmenssitzes im Home-Office verbringen, kann dieses je nach Konstellation zu einer festen Geschäftseinrichtung werden und steuerlich als eine Betriebsstätte des Unternehmens qualifiziert werden. Dies ist insbesondere der Fall, wenn aus dem Home-Office des Mitarbeitenden für das Unternehmen wesentliche Tätigkeiten ausgeübt oder massgebende Geschäftsentscheide gefällt werden.

Liegt steuerlich eine Betriebsstätte vor, wird der Arbeitgeber am Ort, wo sich das Home-Office befindet, steuerpflichtig und muss für einen Anteil seines Unternehmensgewinnes dort anteilsmässig Steuern abführen.

Schreibt das Unternehmen dem Mitarbeiter nicht vor, dass er von zuhause aus arbeiten muss und übernimmt es keine Kosten für das Home-Office, fehlt es in aller Regel an der vorausgesetzten Verfügungsmacht des Arbeitgebers über das Home-Office. Entsprechend ist eine Betriebsstätte des Unternehmens am Ort des Home-Office zu verneinen. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn dem Mitarbeiter ein fester Arbeitsplatz am Ort des Unternehmens zur Verfügung gestellt wird und der Mitarbeiter nur aus Bequemlichkeit zeitweise zu Hause arbeitet.

Soweit Unsicherheiten bestehen bleiben, empfiehlt sich in der Regel die Behandlung der spezifischen Situation durch die zuständigen Behörden in einem verbindlichen Vorbescheid (Ruling) bestätigen zu lassen.

Schliesslich sollten die Modalitäten regelmässiger Home-Office Tätigkeiten (maximaler Umfang, Entschädigung, Recht oder Pflicht für Home-Office Tätigkeit) im Arbeitsvertrag ausdrücklich geregelt werden.

Schlussfolgerung

Moderne Arbeitsplatzkonzepte und die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt werden dem Home-Office verstärkt Aufschwung verschaffen. Das Arbeiten von zuhause aus bringt jedoch einige steuerlicher Fragestellung mit sich – sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmende. Gerne unterstützen wir Sie bei der Analyse der steuerlichen Themen sowie der konkreten Umsetzung.

Quelle: z.T. BDO, Artikel: Steuertipp Nr. 28 – Homeoffice und Steuern

foto by unsplash.com

Weitere empfohlene Beiträge
Einkommenssteuern: wird der Steuerabzug für die Säule 3a ausgebaut?

Ausgangslage Seit dem Jahr 1972 ist die individuelle Vorsorge als dritte Säule des schweizerischen Dreisäulenkonzepts der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge in der Bundesverfassung verankert. Die 3. Säule wird in zwei Bereiche unterteilt: Säule 3b: die freie Selbstvorsorge Diese besteht aus dem persönlichen Sparen, Lebensversicherungen etc. Es besteht keine steuerliche Privilegierung. Säule 3a: die gebundene Selbstvorsorge […]

16. September 2019
...
Die Steuervorlage 17 nimmt die erste große Hürde!

Zusammenfassung: Der Ständerat hat beschlossen, die Steuervorlage 17 mit der AHV-Sanierung zu verknüpfen. Dieses Vorgehen soll der Unternehmenssteuerreform zum Durchbruch verhelfen. Der Finanzminister Ueli Maurer sprach von einem «kleinen Kunstwerk des politischen Kompromisses». Die Vorlage geht im Herbst in den Nationalrat. Ausgangslage: Am 12.02.2017 hat das Volk die Unternehmenssteuerreform III mit 59.1% Nein-Stimmen abgelehnt. Damit […]

8. Juni 2018
...
Bundesgesetz über die Steuervorlage 17: Update

Der Deal mit Steuerreform und AHV kommt in den Schlussabstimmungen ohne Überraschungen durch. Nationalrat und Ständerat haben in den Schlussabstimmungen der Herbstsession keine Überraschungen produziert und dem Geschäft zugestimmt. Der Ständerat sagte Ja mit 39 zu 4 Stimmen, der Nationalrat sagte Ja mit 112 zu 67 Stimmen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass es zu […]

8. November 2018
...
Quellensteuer-Revision 2021

Ausgangslage Am 15. Dezember 2016 hat das Parlament das Bundesgesetz über die Revision der Quellenbesteuerung des Erwerbseinkommens verabschiedet. Im April 2018 wurde die Quellensteuerverordnung publiziert. Am 12. Juni 2019 hat die Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV das Kreisschreiben Nr. 45 zur Quellenbesteuerung des Erwerbseinkommens von Arbeitnehmern publiziert. Seit dem 1.1.2021 ist die Revision der Quellensteuern in Kraft. […]

30. Januar 2021
...
Weitere empfohlene Beiträge
Neue Steuersparmöglichkein für Unternehmen

Zwischenzeitlich haben alle Kantone neue interessante Steuersparmöglichkeiten eingeführt, welche seit diesem Jahr zur Verfügung stehen. Dies als Folge der Eidgenössischen Volksabstimmung im 2019 (STAF).Bei der Direkten Bundessteuer ändert sich nichts. WAS IST NEU AUF KANTONSEBENE? Abschaffung von Steuerprivilegien Die privilegierte Besteuerung von Holdinggesellschaften, gemischten Gesellschaften und Domizilgesellschaften entfällt. Dies bedeutet, dass diese Gesellschaften ab 01.01.2020 […]

28. November 2020
...
Unternehmenssteuern: Der Schweiz droht schon wieder massiver Ärger an der Steuerfront

(Unlauterer) Steuerwettbewerb Die seit längerem anhaltende öffentliche Kritik, dass sich vor allem Digitalkonzerne vor Steuerzahlungen drücken können, zeigt Wirkung. Die OECD plant ein globales Modell zur Besteuerung der Digitalwirtschaft. Laut der Europäischen Kommission werden die Gewinne von Web-Giganten in mehreren europäischen Ländern mit Gewinnsteuersätzen von unter 10 % besteuert, während andere Unternehmen durchschnittlich mit Gewinnsteuersätzen […]

22. Juli 2019
...
Die deutsche Wegzugsbesteuerung ist gefallen!

Zieht ein Unternehmer von Deutschland in die Schweiz, fiel bisher in Deutschland auf dem Wertzuwachs seiner Firmenbeteiligungen eine Wegzugsbesteuerung an. Laut dem Europäischen Gerichtshof verstösst dies aber gegen das Personenfreizügigkeitsabkommen Schweiz – EU. Die Schweiz müht sich zurzeit mit der Frage ab, was vom vorgeschlagenen Rahmenabkommen mit der EU zu halten ist. Für die versprochene […]

28. März 2019
...
Weitere empfohlene Beiträge
Bundesgesetz über die Steuervorlage 17

Der Deal mit Steuerreform und AHV überlebt im Nationalrat Viel Rauch um Nichts! In einer neunstündigen Monsterdebatte hat der Nationalrat am 12.09.2018 nur wenig an der Vorlage des Ständerates geändert. Ein Antrag der Grünen zur Aufspaltung der Vorlage scheiterte knapp. Mit 101 Ja-Stimmen zu 93 Nein-Stimmen sprach sich der Nationalrat für die Verknüpfung der Steuervorlage […]

13. September 2018
...
Unternehmenssteuern: Steuerpläne der OECD bedeuten Erosion des Wettbewerbs

Credo des Steuerwettbewerbs Im Nachgang zum deutschen Wirtschaftswunder war das Credo des Wettbewerbs salonfähig. Auch die Konkurrenz zwischen den einzelnen Volkswirtschaften gehörte zum unbestrittenen wirtschaftlichen Repertoire. Die historischen Daten sprechen eine klare Sprache: Wie auf der Ebene der Unternehmen ist auch auf der staatlichen Ebene der Wettbewerb zentraler Treiber für Wachstum und Wohlfahrt. Radikale Modernisierung […]

24. November 2019
...
Sie haben Fragen?