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Startup – 7 essenzielle Themen bei der Firmengründung in der Schweiz

4. Mai 2022

foto by pexels.com

Die Gründung eines Unternehmens birgt ein erhebliches Risiko. Nur 20 von 100 Start-ups knacken in der Schweiz die Drei-Jahres-Marke. Der Erfolg ist von einer Reihe von Aspekten abhängig. Dabei nehmen neben dem Geschäftsmodell, dem Timing, dem Markt und einer Prise Glück auch die Eigenschaften und Fähigkeiten von Gründern einen erheblichen Stellenwert ein. Wurde der Markt umfassend analysiert, die Konkurrenz recherchiert und ist das Geschäftsmodell ausgereift, kann mit der tatsächlichen Gründungsvorbereitung begonnen werden. Während es eine Vielzahl an Aufgaben gibt, die erledigt werden müssen, finden Sie hier 7 Themen, die Sie auf jeden Fall im Griff haben sollten.

Rechtsform

Mit der Wahl der Rechtsform wird über die juristischen Rahmenbedingungen, in welchen ein Unternehmen später agiert, entschieden. Die Folgen dieser Entscheidung treten auf personeller, finanzieller, steuerlicher und rechtlicher Ebene auf. Die Wahl der Rechtsform sollte anhand von Unterscheidungen in den folgenden Bereichen ablaufen:

  • Kapital
  • Risiko/ Haftung
  • Unabhängigkeit
  • Steuern
  • Soziale Sicherheit

Kapital

Was kostet eine Unternehmensgründung? Zu Beginn fallen bei einem Start-up vor allem administrative Kosten an. Dazu zählen die Kosten für die Eintragung ins Handelsregister (ab ca. CHF 120,-), notariellen Tätigkeiten, Vertragsangelegenheiten durch Anwälte, Patentanmeldung und Gründungsgebühren. Diese Gebühren variieren je nach Kanton und Rechtsform, weshalb eine genaue Bezifferung schwierig ist. In puncto Startkapital unterscheidet sich der Bedarf aufgrund der gewählten Rechtsform. Während für die Gründung einer Aktiengesellschaft in der Schweiz ein Startkapital von CHF 100‘000,- notwendig ist, gibt es für Einzelunternehmen keine Vorschriften. Zusätzlich müssen bei der Gründung eines Unternehmens zumeist auch Investitionen getätigt werden, dazu zählen zum Beispiel:

  • Produktentwicklung
  • Produktion
  • Marketing
  • Geschäftsausstattung
  • Warenlager

Für die Berechnung des tatsächlich notwendigen Kapitals eignet sich eine einfache Planerfolgsrechnung sowie die Aktivseite einer Planbilanz. Dabei werden Löhne, Sozialabgaben, Material, Gerätschaften, Investitionen etc. berücksichtigt. Im Idealfall sind Gründer in der Lage, 30 bis 50 % ihres Startkapitals aus eigenen Mitteln aufzubringen (Eigenkapital). Der Rest kann in Form von Fremdkapital durch beispielsweise Kredite von Banken, Darlehen von Freunden oder Familie oder von Venture Capitalists finanziert werden.

Steuern

Wer gründen möchte, muss sich ehest möglich auch mit dem Thema Steuern auseinandersetzen. Grundsätzlich bietet die Schweiz Start-ups ein attraktives Steuersystem. Die Besteuerung erfolgt in der Schweiz auf drei Ebenen (Bund, Kanton, Gemeinden). Unternehmenssteuern sind von der Rechtsform des Unternehmens abhängig.

Personengesellschaften

Einzelunternehmen, Kommandit- und Kollektivgesellschaften sind keine juristischen Personen, weshalb die Unternehmen selbst nicht steuerpflichtig sind. Erwirtschaftet das Unternehmen einen Gewinn, wird dieser mit dem persönlichen Steuersatz des Inhabers versteuert (Vermögenssteuer). Inhaber dieser Unternehmensformen versteuern Privat- und Geschäftseinkommen sowie Vermögen als Ganzes. Bei Personengesellschaften bedarf es keiner separaten Steuererklärung des Unternehmens.

Kapitalgesellschaften

GmbHs und AGs stellen die meistverbreiteten juristische Personen dar. Daher gibt es bei der Besteuerung eine klare Trennung zwischen Privatem (Besteuerung von Aktionären und Gesellschaftern) und dem Geschäft (Besteuerung des Unternehmens). Diese Trennung hat eine wirtschaftliche Doppelbesteuerung zur Folge. Erwirtschafteten Gewinne werden mit dem Unternehmenssteuersatz versteuert, während auf das Eigenkapital die Kapitalsteuern bezahlt werden. Bei Kapitalgesellschaften ist eine separate Steuererklärung für das Unternehmen zu erstellen.

Sozialversicherungen

Die Sozialversicherung dient in erster Linie der Absicherung gegen potenzielle Risiken sowie der Vorsorge für die Zukunft (z. B. Rente, Erwerbsersatz, Kostenerstattung bei Unfällen etc.). Gründer sind verpflichtet, sich um die Sozialversicherung für sich und allfällige Mitarbeitenden zu kümmern. Was im Hinblick auf die Sozialversicherung obligatorisch ist und was freiwillig, hängt von der gewählten Rechtsform ab. Dabei sind Gründer von Einzelfirmen, Kollektiv- und Kommanditgesellschaften zu einem großen Teil selbst für die Vorsorge verantwortlich, da sie als selbstständig Erwerbende betrachtet werden. Im Gegensatz dazu sind Gründer von Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung zeitgleich ihre eigenen Angestellten, weshalb sie als unselbstständige Erwerbende betrachtet werden und eine Versicherung daher obligatorisch ist.

Weitere Versicherungen & Vorsorge

Wer ein eigenes Unternehmen gründen möchte, muss sich neben der Sozialversicherung auch mit Personen-, Sach- und Vermögensversicherungen auseinandersetzen. Wie groß der Deckungsbedarf allgemein sein sollte, lässt sich schwer sagen, da dieser stark vom individuellen Risiko und der Branche abhängt.

  • Personenversicherung – Diese Form der Versicherung schützt gegen persönliche Risiken. Beispiele dafür sind AHV und IV, Berufliche Vorsorge (BVG), Arbeitslosenversicherung (ALV), Unfall- und Krankenversicherung (UVG und kVG) und die Mutterschaftsentschädigung (MV).
  • Sachversicherung – Diese Variante der Versicherung schützt vor finanziellen Schäden, welche aufgrund von Beschädigungen, Verlusten von Sachen infolge von Wasser, Feuer, Glas oder Diebstahl auftreten können. Dabei bieten Versicherungen zumeist spezielle Versicherungspakete für Start-ups an. Beispiele für Sachversicherungen sind die Gebäudeversicherung und technische Versicherung.
  • Vermögensversicherung – Diese Versicherungsform schützt das Unternehmensvermögen. Beispiele dafür sind Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherungen, Betriebs- / Berufshaftpflichtversicherungen und Versicherungen für Betriebsunterbrechungen. Neben diesen Versicherungen sollte auch die Altersvorsorge beachtet werden. Grundsätzlich soll in der Schweiz das Drei-Säulen-Modell für einen bestmöglichen individuellen Schutz und Lebensstandard im Alter, bei Invalidität oder im Todesfall und nach dem Ende der Erwerbstätigkeit sorgen.

Standort und Infrastruktur

Bei der Standortwahl kommt es zunächst auf die Größe des Unternehmens und das Stadium, in dem sich das Start-up befindet, an. Zu Beginn, wo der Flächenbedarf meist gering ist, stellt das Einmieten in ein Gründerzentrum oder einen Technopark eine gute Option dar. Diese sind in der Regel günstig, bieten gemeinsam genutzte Infrastruktur, und sofern gewollt, Beratung, Coaching und Austauschmöglichkeit. Sogenannte Inkubatoren bieten den Vorteil von ausgestatteten Labor-, Büro und Geräteräumen. Bedarf es lediglich eines Arbeitsplatzes, so können zu Beginn auch Co-Working-Spaces in Anspruch genommen werden. Wachst Ihr Business und Ihr Team, so wird das Anmieten von kostspieligeren Büroräumen notwendig. Faktoren, die bei der Auswahl der geeigneten Geschäftsräume beachtet werden sollten, sind:

  • Anbindung (privat (Straßen- & Autobahnnetz) & öffentliche (z. B. Zug, Bus & Straßenbahn)
  • Nähe zu Lieferanten und Kunden
  • Förderprogramme
  • direktes Umfeld (könnten ihre Geschäftstätigkeiten dieses durch z. B. Lärm stören)
  • Skalierbarkeit (können bei Bedarf weitere Räume angemietet werden)
  • Kosten
  • Miet- und Pachtverträge (Vertragsdauer und Kündigungsfrist, Zahlungsmodalitäten, Betriebskosten)

Business- und Finanzplan

Finanzplan

Der Finanzplan dient nicht nur der Planung, sondern auch der Kontrolle. Dabei kann periodisch beurteilt werden, welche Ziele erreicht wurden und wo vom Plan abgewichen wird. Der Finanzplan ist ein agiles Dokument, welches sich den laufenden neuen Gegebenheiten anpasst. In der Regel enthält er die folgenden Dokumente für die folgenden 3 bis 5 Jahre:

  • Planbilanz
  • Planerfolgsrechnung
  • Planmittelflussrechnung
  • Liquiditätsplan

Des Weiteren enthält der Finanzplan auch eine situativ detaillierte Investitionsplanung beziehungsweise eine Investitionsrechnung. Im Rahmen der Finanzplanung wird häufig auf eine Unternehmensbewertung durchgeführt. Dabei werden unterschiedliche Bewertungsmethoden eingesetzte, wie zum Beispiel die Substanzwertmethode, Ertragswertmethode oder Marktwertmethode. Der Finanzplan ist ein Bestandteil des Businessplans.

Businessplan

Was ist ein Businessplan? In einem Businessplan wird die Geschäftsidee zusammengefasst. Das Dokument umfasst die wichtigsten Details und wesentliche Aspekte des Vorhabens und bringt diese auf den Punkt. Ein guter Businessplan ist logisch aufgebaut, aussagekräftig, verständlich, überschaubar, ansprechend, realistisch und nachvollziehbar und überzeugend. Das Dokument ist 25 bis 60 Seiten lang, wobei gilt: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich!“. Die Inhalte des Businessplan sind wie folgt definiert:

  • Zusammenfassung
  • Unternehmen
  • Dienstleistung / Produkt
  • Markt & Wettbewerb
  • Marketing & Vertrieb
  • Stärken & Schwächen
  • Logistik & Betriebsplan
  • Erfolgs- und Finanzplanung

Der Businessplan wird verwendet, um das Geschäftsmodell zu präsentieren. Einsatz findet er dabei zum Beispiel in der Kommunikation mit potenziellen Finanzgebern, Geschäftspartnern und Lieferanten.

FAQ

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